Sollen Lehrmaterialien barrierefrei gestaltet werden, bedeutet dies in erster Linie den Studierenden Flexibilität in der Rezeption der Unterlagen zu ermöglichen. Dies hilft nicht nur Studierenden mit Behinderung oder Einschränkung, sondern auch unterschiedlichen Lerntypen. Bevor wir zum Leitfaden für barrierefreie Materialien kommen, möchten wir Ihnen aber auch ein paar Ideen vorschlagen, wie Sie ihre Lehrveranstaltung ganz grundsätzlich für eine größere Zahl an Studierenden zugänglich machen können.
Wenn Sie technische Unterstützung bei Ihrer Lehrveranstaltung benötigen, wenden Sie sich gerne an das ZAP (Zentrum für audiovisuelle Produktion) unter zap@uni-mainz.de.
Podcast / Audioaufzeichnung
Nehmen sie Ihre Vorlesung als Audiodatei auf und stellen Sie diese als Podcast bereit.
Videoaufzeichnung
Noch besser ist natürlich gleich die Videoaufzeichnung über video.uni-mainz.de zu nutzen. Diese können Sie exklusiv nur Ihren Studierenden zur Verfügung stellen und automatisch mit Ihren Folien unterlegen.
Hilft:
- Studierenden mit Sehbeeinträchtigung
- beim Nach- und Wiederholen (in Bus und Bahn)
- Studierenden mit Hörbeeinträchtigung (die bestimmten Geräte zum späteren Anhören nutzen können)
- Studierenden mit kognitiven Einschränkungen durch die Möglichkeit auf Pause zur drücken oder die Wiedergabegeschwindigkeit anzupassenMaterialien im Vorfeld verteilen
Stellen Sie Skripte und Lehrmaterialien zu Beginn des Semesters zur Verfügung. Studierende können sich entsprechend ihrer Einschränkung besser auf die Lehrveranstaltung vorbereiten und sich z.B. die Folien sehr groß ausdrucken (Sehbeeinträchtigung) oder in Ruhe vorher durchlesen.
Hilft:
- Allen
Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, wie Studierende mit Einschränkungen die Materialien rezipieren. Studierende mit Sehbeeinträchtigung zum Beispiel, lassen sich die Dokumente womöglich durch einen so genannten Screenreader vorlesen. Dieser liest unformatierten Text stumpf von links oben nach rechts unten vor. Möchte man eine Passage noch einmal hören, kann man bei einem unformatierten Text nur den gesamten Text noch einmal anhören. „Blättern“ können die Studierenden dann nur durch vor- und zurückspulen, ohne Anhaltspunkt wann sie wieder anhalten sollen. Durch einige einfache Dinge können Sie Ihren Studierenden das Studium viel leichter machen:
1. Geben Sie Ihrem Text Struktur
Word: Nutzen Sie in Word Funktion der Formatvorlage: Alt+Strg+Umschalt+S → Optionen → Anzuzeigende → Formatvorlagen auswählen → Alle Formatvorlagen. Markieren Sie Überschriften, Listen, Aufzählungen, Links, Zitate etc. als solche. Im Screenreader funktionieren die Formatvorlagen dann wie Lesezeichen und erlauben es, direkt zum entsprechenden Teil zu springen.
PowerPoint: Leider bietet PowerPoint keine Formatvorlagen an. Stattdessen müssen Sie bei der Erstellung der Folien darauf achten, dass die Leserichtung ihrer Elemente korrekt ist. Dies können Sie ganz einfach unter Start → Anordnen → Auswahlbereich tun. Zudem sollten Sie ihren Folien Titel geben. Diese funktionieren nun wieder als Lesezeichen.
PDF: Grundsätzlich raten wir von PDF stark ab. Die eingeschränkte Darstellung erlaubt es den Studierenden leider nicht, die Inhalte entsprechend ihrer Bedarfe anzupassen. Wenn es aber eine PDF sein muss, dann achten Sie beim Exportieren aus Word und PowerPoint darauf, dass unter ACROBAT →Grundeinstellung → Barrierefreiheit und Umfließen durch Erstellen von Adobe PDF mit Tags aktivieren ein Häkchen gesetzt ist.
2. Sprache einstellen
Damit der Screenreader überhaupt weiß, in welcher Sprache er vorlesen soll, müssen Sie die Dokumentensprache einstellen. Dies funktioniert unter Start → Sprache. Haben Sie mehrere Sprachen, z.B. in Zitaten, in ihrem Dokument, stellen Sie die Sprache für den entsprechenden Absatz erneut ein.
3. Alternativtexte
Versuchen Sie, Bilder und Grafiken nicht als ausschließliche Vermittlungsform, sondern parallel zum Text zu nutzen. Wenn Sie Bilder und Grafiken einsetzen, geben Sie ihnen eine umfangreiche Beschreibung als Alternativtext. Diesen können die Screenreader nun vorlesen. Ist ein Bild nur dekorativ, können Sie dies im Alternativtextfeld anklicken, damit alle Bescheid wissen.
4. Tabellen
Tabellen sollten möglichst wenige Verschachtelungen enthalten. Wenn Sie Tabellen über mehrere Seiten befüllen, aktivieren Sie für jede neue Seite die Kopfzeile. Das hilft bei der Übersichtlichkeit und man muss weniger blättern.
5. Einscannen von Texten mit Zeichenerkennung
Wenn Sie Texte aus Quellen und Literatur für Ihre Studierenden einscannen, benutzen Sie eine Software für Zeichenerkennung (Zum Beispiel FreeOCR oder Omnipage). Dies hilft bei der Darstellung, ermöglicht aber auch das Durchsuchen der Dokumente.
6. Kontraste
Achten Sie bei Schrift- und Farbwahl auf möglichst hohe Kontraste. Schwarz auf weiß, ist die beste Wahl. Wenn es bunter sein soll, können Sie zum Beispiel das Programm Color Contrast Analyser nutzen, das Sie durch Klicken auf den nachfolgenden Link herunterladen können: https://developer.paciellogroup.com/resources/contrastanalyser/
7. Testen Sie Ihre Dokumente
Microsoft Office bietet mittlerweile eine Barrierefreiheitsüberprüfung. Diese finden Sie unter Überprüfen Barrierefreiheit überprüfen.Weitere Anleitungen und Tipps bekommen Sie hier:
- Barrierefreiheit: Inklusives E-Learning
- Handreichung zur Erstellung und Umsetzung barrierefreier Dokumente in der Lehre
- Leitfaden zur Erstellung barrierearmer Dokumente – Servicestelle zur barrierefreien Aufbereitung von Lehrmaterialien – Universität Kassel
Autorin: Anna Heym (Zentrum für Audiovisuelle Produktion)