Im Tipp „trans. inter*. nicht-binär.“ wurde die Broschüre „trans. inter. nicht-binär. Lehr- und Lernräume an Hochschulen geschlechterreflektiert gestalten“ vorgestellt.

Folgender Beitrag, welcher von einer Studentin verfasst wurde, geht noch einmal auf das Thema ein, um Lehrpersonen über Begrifflichkeiten zu informieren und Hinweise für einen diversitätssensiblen Umgang mit trans, inter*, und nicht-binäre Studierenden zu geben.

Biologisches Geschlecht (eng: „sex“): Das Geschlecht, welches bei der Geburt zugewiesen wurde, basierend auf körperlichen Merkmalen (eng: „assigned at birth“).

Soziales Geschlecht/Geschlechtsidentität (eng: „gender“): Das Geschlecht, welchem sich ein Mensch zugehörig fühlt, mit welchem man sich identifiziert; kann dem biologischen Geschlecht entsprechen, muss es aber nicht.

Cis, cisgender: Menschen, deren Geschlechtsidentität dem biologischen Geschlecht entspricht, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde (Gegenteil von trans).

Trans, transgender, transident: Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht dem biologischen Geschlecht entspricht, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Ihre Geschlechtsidentität kann ausschließlich männlich oder weiblich sein, sie kann aber auch außerhalb des binären Systems liegen.

Nicht-binär (auch „abinär“ genannt; eng: „non-binary“): Menschen, deren Geschlechtsidentität außerhalb der binären Geschlechterordnung liegt. Sie identifizieren sich also als weder komplett weiblich, noch komplett männlich. Unter den Begriff nicht-binär fallen viele verschiedene Geschlechtsidentitäten.

Inter*, intergeschlechtlich: Menschen, deren biologisches Geschlecht nicht den normativen Vorstellungen von männlich und weiblich entspricht. Es handelt sich jedoch nicht um ein eindeutig abgrenzbares „drittes Geschlecht“, da die Realitäten und Erfahrungen von inter* Menschen sehr vielfältig sind. Die Geschlechtsidentität dieser Menschen kann auch inter* sein, sie kann aber auch jede andere Identität sein.

Pronomen (auch persönliche Fürwörter genannt): In der deutschen Sprache weisen Pronomen der 3. Person Einzahl eindeutig auf das Geschlecht einer Person hin. Es ist aber nicht immer am Aussehen zu erkennen, welche Pronomen eine Person verwendet, weshalb vermehrt in Vorstellungsrunden, und dergleichen, nach Pronomen gefragt wird. Außerdem gibt es Menschen, die geschlechtsneutrale Pronomen (also andere als „sie/ihr“ und „er/ihm“) bevorzugen.

Misgendern: Misgendern bedeutet eine Person entweder beabsichtigt oder unbeabsichtigt dem falschen Geschlecht zuzuordnen. Dies kann durch die falsche Anrede oder auch durch falsche Pronomen geschehen. Unbeabsichtigtes Misgendern kann passieren. Wenn man darauf aufmerksam gemacht wird, sollte man sich kurz entschuldigen und einfach verbessern. Falls man mitbekommt, dass jemand anderes eine Person misgendert, sollte man ebenfalls darauf hinweisen. Dies gilt auch, wenn die Person nicht anwesend ist.

Unerwünschtes Outing: Als Outing wird das Bekanntmachen der eigenen Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung bezeichnet. Ein unerwünschtes Outing ist ein Outing durch andere und gegen den eigenen Willen. Dies kann beabsichtigt, aber auch unbeabsichtigt geschehen und negative Konsequenzen, wie zum Beispiel diskriminierende Anfeindungen oder auch gewaltsame Übergriffe, für die betroffene Person haben.

1Begriffe in Bezug auf Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung ändern sich ständig und werden fortgehend erweitert. Wörter (wie z.B. transsexuell, transvestie, oder intersexuell), die vor ein paar Jahren noch gängig waren, werden heutzutage teilweise als problematisch oder diskriminierend empfunden und kaum mehr verwendet. 

Es gibt mehrere Probleme, denen trans Studierende im Universitätsalltag begegnen.

Zum einen sind viele von ihnen mit ihrem Geburtsnamen an der Universität eingeschrieben, welcher nicht ihrem eigentlichen, selbst gewählten Namen entspricht. Somit steht also der falsche Vorname beispielsweise auf ihrem Studierendenausweis und auch auf offiziellen Teilnahmelisten. Dies kann dazu führen, dass die betroffenen Studierenden ihre Situation ständig erklären müssen und somit gezwungen sind sich zu outen.

(Es gibt die Möglichkeit für trans Studierende den Ergänzungsausweis der dgti zu beantragen. Mit diesem ist es ihnen möglich ihren Vornamen und Geschlechtereintrag an der Universität zu ändern, auch wenn sie dies auf offiziellen Dokumenten noch nicht dürfen. (Ansprechpersonen: Queer Referat der AStA). Für die genaue Verfahrensweise finden Sie weitere Informationen beim Studierendenservice auf folgender Seite: Stammdatenänderung.

Nicht-binäre Studierende haben zudem das Problem, dass es auf vielen Dokumenten nur zwei Geschlechtermöglichkeiten gibt und es auch nicht möglich ist kein Geschlecht anzugeben. Das führt dazu, dass sie fälschlicherweise als „Frau XYZ“ oder „Herr XYZ“ adressiert werden.

Falls in einer Lehrveranstaltung die Anwesenheit überprüft wird, kann es hilfreich sein nur die Nachnamen aufzurufen. Dadurch wird vermieden, dass der falsche Vorname genannt wird. Bei trans Personen kann dies ein Name des falschen Geschlechts sein und sie könnten somit geoutet werden. In vielen Fällen informieren trans Studierende auch ihre Professor:innen im Voraus über solche Situationen. Falls es trotzdem zu Verwirrung oder Verwechslungen kommen sollte (wenn zum Beispiel zwei Studierende den gleichen Nachnamen haben), kann man auch auf die Matrikelnummer zurückgreifen.

Bei Veranstaltungen im kleineren Rahmen, bei denen sich Studierende aktiv beteiligen oder Gruppenarbeiten machen, gibt es die Möglichkeit in einer Vorstellungsrunde nach Pronomen zu fragen. Somit kann Misgendern vermieden werden. Wenn man sich unsicher über die Pronomen einer Person ist, kann man auch stattdessen den Vornamen benutzen oder respektvoll nachfragen. Zudem könnte es vorteilhaft sein, das sogenannte „Hamburger Sie“ zu verwenden (siehe Tipp „Das Hamburger Sie“). Das bedeutet, Studierende beim Vornamen anzusprechen, obwohl man sie weiterhin siezt. Dies verhindert, dass Personen mit einer falschen förmlichen Anrede angesprochen werden.

Wichtig: Nehmen Sie Rückmeldungen an, gehen Sie auf Gespräche zu dem Thema ein, und informieren Sie sich. Wenn Sie sich als Lehrperson unsicher sind, suchen Sie gerne den Austausch mit Beratungsstellen, wie z.B. der Koordinationsstelle Diversität oder dem AStA.