Als Unconscious Bias lassen sich unbewusste bzw. implizite Vor- oder Grundannahmen bezeichnen, die positiv oder negativ sein können. Diese beziehen sich z.B. auf das Geschlecht, das Alter, die Hautfarbe, eine Behinderung, die Sprache, den Namen, die körperliche Konstitution, die Kleidung etc. und beeinflussen unsere Wahrnehmung von Personen. Damit verbunden ist ein mehr oder weniger starker Effekt auf unsere Beurteilung von Personen, auf unsere Handlungen und Entscheidungen. Einerseits versetzen uns diese unbewussten Grundannahmen in die Lage, Informationen schnell und effektiv zu verarbeiten. Andererseits sind sie jedoch auch immer wieder Quelle von Beurteilungsfehlern und Benachteiligungen. Ein Bewusstsein für die eigenen unbewussten Vorannahmen kann helfen, die negativen Auswirkungen dieser zu minimieren. Das Projekt Implicit der Harvard University versucht unbewusste Vorannahmen sichtbar zu machen und darüber zu einer Reflexion des eigenen Verhaltens anzuregen bzw. diese auf ihre Gültigkeit hin zu hinterfragen.

Konkret auf Lehr-/Lernsituationen bezogen, kann es sich lohnen, zu reflektieren:

  • Wie sehr beziehe ich eine souveräne Performance in die Leistungsbewertung ein?
  • Was löst es in mir aus, wenn Studierende Dialekt sprechen?
  • Treffe ich eine Annahme, wenn eine potenzielle Promovendin schwanger wird?
  • Welche Hypothese stelle ich auf, wenn ich Studierenden am späten Abend im Labor oder in der Bibliothek begegne?
  • Welche Assoziationen erweckt eine Studentin mit Kopftuch bei mir?
  • Was löst es in mir aus, wenn ich beobachte, dass eine Person gelegentlich zu spät zu meinem Seminar erscheint?
  • Welchen Impuls verspüre ich, wenn ein Student in Flipflops und kurzen Hosen zu einer Prüfung kommt?
  • Wie glaubhaft erscheint mir eine Entschuldigung, wenn die Person dabei zu Boden schaut?

Vgl.:
https://www.anti-bias.eu/wissen/definitionen/unconsciousbias-definition/